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Kuba


Auf dem Weg von Havanna nach Varadero werde ich gleich gewarnt. Ich soll mich nicht in den reizvoll anmutenden Verfall der wunderschönen Kolonialvillen mit Säulenvorbau verlieben, sie alle sind dem Untergang geweiht. Wenn nicht heute noch damit begonnen wird, sie zu renovieren.

Ein Freund, so wird mir im gleichen Atemzug berichtet, habe gerade eine Kubanerin geheiratet und sehr viel Land gekauft. Jeder der über Kuba spricht, hat Ideen zur Hand, wie es mit dem Land demnächst weitergehen werde. Irgendeine Änderung müsse geschehen - und das möglichst bald. Indes passiert in Kuba schon jetzt sehr viel, die Reiseveranstalter haben das Land als die Touristenattraktion auserkoren. Die siechende Wirtschaft Kubas öffnet sich gerade in atemberaubenden Tempo der Tourismusindustrie. Kuba, das haben die Reiseorganisatoren um Fidel Castro verkündet, soll Tourismusziel Nr. 1 in der Karibik werden. Die steigenden Besucherzahlen bestätigen dieses Vorhaben.

Varadero
Die Halbinsel Varadero, die man nur über eine riesige Brücke erreicht, ragt kilometerweit ins Meer hinaus. Sie scheint das Experimentierfeld Kubas in Sachen Tourismus gewesen zu sein. Positive sowie negative Erfahrungen sind in die neueren Strandidyllen Kubas wie Cayo Largo eingeflossen. Einst Feriendomizil wohlhabender Kubaner und Nordamerikaner und später der Erholungsort für verdiente Revolutionäre aus dem Ostblock weihte 1990 der erste ausländische Investor ein Hotel ein. In Varadero ist der Urlauber unter sich, Hotels reihen sich neben Clubanlagen, die alle wie Perlen auf der feinsandigen Nordküste aneinandergereiht sind. Tagsüber wirken die Avenida de las Americas und Avenida de Las Playa etwas ausgestorben, die Inselgäste tummeln sich alle am Strand, aber abends versucht man hier, auf der Hauptstraße in den Restaurants oder Diskotheken dem Hoteleinerlei zu entkommen. Varadero streckt sich, und gerade die neueren Hotels sind soweit abgelegen, dass man nur mit dem teuren Taxi oder gemieteten Fahrzeugen ins Zentrum des Geschehens kommt. Nachtbummler, die nicht gerne jeden abend das gleiche Hotelprogramm mitmachen wollen, sollten sich daher lieber auf der gemütlichen Inselmitte einmieten.

Havanna-Tour
„Zu gefährlich“, meint ein älteres deutsches Pärchen, das dem klimatisierten Bus von Varadero entklommen ist und nun ein paar Meter verloren durch die Stadt tapst. Vielleicht sind es die schnurgeraden engen Gassen, deren Häuserfassaden seit der Revolution auf einen neuen Anstrich warten. Aber gerade an den Altstadtmauern lehnen überall Gerüste und dokumentieren das ehrgeizige Aufbauprogramm der Regierung. Wer die anfängliche Unsicherheit abgestreift hat, wird sich bald wohlfühlen und die kolonial-barocke Pracht der Catedral de San Cristobal und ihre umliegenden Gebäude genießen. Kuba wird international, hinter den Baugerüsten entstehen teure Boutiquen und elegant verglaste Banken zur Devisen-Nachfuhr. Galerien zeigen ihre Skulpturen in kühlen Innenhöfen, wo man sich auch in Ruhe hinsetzen kann und bei einem Getränk der tropischen Hitze entflieht. Später am Nachmittag wird man sich vielleicht in eine der berühmten Hemingway-Bars begeben - in die eher zwanglose Bodeguita del Medio auf der Empedrado oder am Ende der Obispo ins El Floridita, wo ganz formell der beste Mojito der Welt gemixt wird.

Auf der Uferpromenade, den Malecón, spazieren alle Bewohner Havannas, die ein bisschen Zeit haben und bummeln wollen. Nachts wird der Boulevard zur größten Freiluftparty der Stadt umfunktioniert. Geschäftiges Treiben, viele Hotels und Restaurants findet man im „Vorort“ Vedado, die kubanische Umsetzung von Miami. Wer sich in Havanna übrigens zu Fuß nicht sicher fühlt, der kann für 8.- US$ den ganzen Tag lang auf einer festen Route mit dem Sightseeing-Bus „Vaivén“ die wichtigsten Plätze abfahren. An beliebigen Stationen darf man ein- und aussteigen und die Sehenswürdigkeiten genauer betrachten.

Kuba auf eigene Faust
Ganz Kuba ist permanent unterwegs. Und wer die Menschengruppen auf den Straßenkreuzungen und Plätzen endlos auf eine Mitfahrgelegenheit warten sieht, kann ermessen, welcher Improvisationsgabe es bedarf, von einem Ziel zum anderen zu gelangen. Ob auf Lastwagen zusammengezwängt, auf klapprigen Geländewägen oder die Achse einer Pferdekutsche ausbalancierend; es wird schon irgendwann weitergehen. Nach stundenlangem Ausharren an einer Haltestelle klatschen die Wartenden spontan in die Hände. Als ob ein Popstar die Bühne betreten hätte: Der Bus ist endlich da! Angesichts solcher Reise-Engpässe wird selbst der erfahrenste Tramper davor zurückschrecken, die billigen Plätze den Kubanern wegzuschnappen. Daneben gibt es für Mitarbeiter der großen Hotels oder für Hauptrouten wie Varadero-Havanna Busse, für die selbst Kubaner im harten US-Dollar-Kurs bezahlen müssen. Diese Busse empfehlen sich auch für den Touristen, hier kann er guten Gewissens zusteigen und immer noch für einen Bruchteil der teuren Tourbusse durchs Land fahren. Vorausgesetzt, man versteht die Liniensystematik und hat viel Zeit zu warten.

Wesentlich exklusiver und teurer sind die klimatisierten Tourbusse, die normalerweise ihre festen Rundfahrten machen. Da ihre Routen und Zeiten festgelegt sind und sie Tag für Tag die gleichen Ziele anfahren, kann man sie auch als sehr zuverlässige Mitfahrgelegenheiten für eine Zielrichtung benutzen. In der Regel zahlt man dann die Hälfte des normalen Rundfahrtpreises. Wenn eine Stadtbesichtigungstour von Varadero nach Havanna um die 50.- US Dollar kostet, kann man einfach für 20 - 25 Dollar mitgenommen werden. Handeln lohnt sich auch hier! (Rüdiger Reitmeier)

Quelle & Infos : votello.de



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